Eröffnungsrede Dr. Alexandra Kolossa (2008)

Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung

von Gabriele Corsten, Hanne Werhan und Christel Wermuth

 

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Den geheimnisvollen Weg ins Innere verfolgt auch Christel Wermuth. Ihre Bilder beschreiben eine Reise mit unbekanntem Ziel, aber wiederkehrenden Bildelementen. Anhand ihrer Bilder ist ein stetiger Wandel innerhalb des künstlerischen Prozesses
ablesbar, der zwar mit ähnlichen Voraussetzungen arbeitet, diese jedoch immer wieder unterschiedlich interpretiert.

Auch Christel Wermuth arbeitet mit dem Aspekt der Vielschichtigkeit. Die vielen rasch aufgetragenen Farbschichten verdichten
zunächst die Oberfläche, die daraufhin aber wieder durch künstlerische Intervention aufgebrochen werden. Spachteltechnik und Kratzungen lassen tiefer liegenden Schichten durchscheinen und bereiten einen lebendigen Malgrund, der sehr individuellen Formen und Motiven ein Podium gibt. So tauchen immer wieder Segmente einer breiten, geschwungenen Linie auf oder sternförmige und gezackte
Formen. Besonders diese bizarren Objekte ziehen sich durch das gesamte Oeuvre.

Mal geben sie sich schwebend zart, ähnlich einem Schatten eines Phantasievogels, dann sind sie wiederum fest verwachsen mit dem Untergrund. Dann erscheinen sie wie Korallen am Meeresgrund, die ihre Fühler in alle Richtungen ausstrecken. Die Formen sind dabei vielfältig, bewegt und immer anders, zeigen die ständige Suche der Künstlerin nach etwas Neuem. Diese Unruhe treibt sie an. Das Thema des Werdens und Vergehens, des Gebens und Nehmens ist ein zentrales Motiv innerhalb der Bilder. Die anfänglich noch streng getrennten Elemente verschwimmen in den jüngeren Arbeiten immer mehr, überlappen sich, werden freier, leichter und
lebendiger.

Christel Wermuths Bilder sind auf den ersten Blick abstrakt, dennoch sehr erzählerisch. Denn insgesamt legt sich ein geheimnisvoller Schleier über die gesamte Szenerie. Sie erzählen von einer rätselhaften Welt, die im Verborgenen schlummert. Diese an die Oberfläche zu bringen, ist das Ziel ihrer Arbeiten.

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Dr. Alexandra Kolossa, Kunsthistorikerin
November 2008